Prof. Mag. Dr. Christina Antenhofer, Salzburg: Liber iocalium – Der Brautschatz der Antonia Visconti als Spiegel für interregionale Mobilität im Mittelalter
Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, DeutschlandEheschließungen waren und sind stets Anlässe für Mobilität. Üblicherweise mussten die Frauen ihre Herkunftsfamilie verlassen und zu ihren Ehemännern an einen neuen Hof übersiedeln. Gleichzeitig machten sich aber auch Objekte auf den Weg, in Form der Brautschätze, welche die Bräute als Teil ihres Erbes mit in die Ehe brachten. Dies zeigt, sich am Beispiel der Antonia Visconti (nach 1350-1405), die 1380 Graf Eberhard III. von Württemberg heiratete und von Mailand nach Urach übersiedelte. Aus ihrem Fundus hat sich ein reiches Verzeichnisses ihres Brautschatzes, der lieber iocalium, erhalten, der nicht nur Ausschau darüber gibt, welche Objekte sie mit an den neuen Hof nahm, sondern in vielen Fällen auch, was mit diesen geschah. Das Verzeichnis, das erstmals ediert und kommentiert wurde und jetzt als Veröffentlichung des Landesarchivs Baden-Württemberg vorliegt, eröffnet bemerkenswerte Einblicke in die Mobilität von Menschen, Objekten, aber auch von Wissen entlang dieser Eheschließung zwischen dem italienischen und deutschen Kulturraum. - Prof. Mag. Dr. Christina Antenhofer ist Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Paris Lodron Universität Salzburg.