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Vortrag
Dr. Miriam Régerat-Kobitzsch, Stuttgart: Zwischen Legendenbildung und Quellenkritik – der französische König Henri IV im Spiegel der deutschen und französischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts
Henri IV (1553–1610) gilt bis heute als der beliebteste französische Herrscher. An diesem Bild hatte der erste Bourbonenkönig bereits selbst mitgewirkt, da er den Wert einer sorgfältig inszenierten Selbstdarstellung erkannt und sich als Begründer einer neuen Königsdynastie und als Friedensbringer nach den lang anhaltenden Religions-und Bürgerkriegen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts präsentiert hatte. Seine Ermordung auf offener Straße im Mai 1610 nährte den Mythos um den nahbaren und streitbaren Herrscher. Bemerkenswert ist allerdings, dass dieses positive Bild des "bon roi Henri" die Französische Revolution überdauerte und er im 19. Jahrhundert zu einer identifikationsstiftenden Figur der französischen Nation wurde. Warum wurde im Kontext des Nationalismus und nationaler Meistererzählungen dieser Vertreter der Monarchie zur idealtypischen Verkörperung eines vermeintlich typisch französischen Wesens überhöht? Wie begegneten deutschsprachige Historiker des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des steigenden deutsch-französischen Antagonismus einer solch wirkmächtigen historischen Figur ihrer französischen Nachbarn? Der Vortrag spürt den Elementen und Entwicklungen dieser Legendenbildung nach und betrachtet sie im Lichte deutsch-französischer Beziehungen. - Dr. Miriam Régerat-Kobitzsch ist Kuratorin der Landesgeschichtlichen Sammlung und Stellvertretende Teamleitung (Sammlung) im Haus der Geschichte Baden-Württemberg

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