• Prof. Dr. Andreas Deutsch, Heidelberg: Bauernkriegs-Held oder Bösewicht? Der Stuttgarter Stadtschreiber Johann Elias Meichsner

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Weil der berühmte Maler Jörg Ratgeb 1526 gevierteilt wurde, gilt er für manche als "Märtyrer aus dem Bauernkrieg". Die Schuld am Tod des genialen Künstlers wurde dem Stuttgarter Stadtschreiber Johann Elias Meichsner zugeschrieben. Tatsächlich hatte Meichsner den Maler erheblich belastet. Aber zu Unrecht? Es handelt sich um denselben Meichsner, der Anfang Mai 1525 massenweise Rundschreiben für den württembergischen Bauernhaufen aufsetzte, um alle Kräfte gegen das herannahende Heer des Schwäbischen Bundes zu aktivieren. War er also eher ein Held des Bauernkriegs? Oder handelte er unter Zwang? Meichsner war stets ein entschiedener Gegner des mörderischen Herzogs Ulrich von Württemberg gewesen. Als Ulrich 1534

    wieder die Herrschaft in Württemberg übernehmen konnte, ließ er Meichsner in den Kerker werfen. Nun drohte Meichsner selbst die Hinrichtung. Doch dann gelang der badischen Verwandtschaft seine Rettung. Der Vortrag beleuchtet Werk und Wirken des bedeutenden Stuttgarter Stadtschreibers Elias Meichsner und gibt gleichzeitig spannende Einblicke in die Lebensumstände rund um den Bauernkrieg. - Prof. Dr. Andreas Deutsch ist Leiter der Forschungsstelle Deutsches Rechtswörterbuch und Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg. - Der Vortrag ist online zugänglich:
    https://www.youtube.com/watch?v=kY-rgN1xo5g

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  • Soirée: Musikalische Recréation in Zeiten des Krieges

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) zählte der württembergische Hof unter Herzog Carl Eugen zu den künstlerisch glanzvollsten in Europa. Das Aushängeschild war die Hofoper unter der Leitung des berühmten Neapolitaners Niccolò Jommelli. Doch auch das kammermusikalische Divertissement erfreute sich großer Beliebtheit. Dafür sorgten unter anderem der europaweit hochgeschätzte Konzertmeister des Opernorchesters, der aus Livorno stammende Pietro Nardini. Carl Eugen lud aber auch auswärtige Musiker wie den am badischen Hof wirkenden Sebastian Bodinus zu Gastspielen ein. – Lassen Sie sich von Dr. Bernhard Moosbauer (Barockvioline) und Ricarda Hornych (Laute) in die musikalische Welt am Hof Carl Eugens entführen!

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  • Dr. Max Plassmann, Köln: Erinnerung, Mythos, Missbrauch: Vom Nachleben der Schlacht bei Leuthen (1757) in der preußisch-deutschen Geschichte

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Die Schlacht bei Leuthen vom 5. Dezember 1757 zählt zu den zentralen Mythen preußisch-deutscher Militärgeschichte. Friedrich II. von Preußen, der „Große“, schlug damals eine weit überlegene österreichische Armee – wobei Württemberger im Übrigen auf beiden Seiten kämpften. In der Erinnerung des 19. Jahrhunderts verselbständigte sich Friedrichs Plan zu einem vermeintlich unfehlbaren Erfolgsrezept. Die Vorstellung, über das Geheimnis des Sieges zu verfügen, begleitete daher die deutschen Armeen in beide Weltkriege. Der Vortrag beleuchtet diesen Missbrauch von Geschichte, der zum millionenfachen Sterben beitrug. - Dr. Max Plassmann ist Leiter des Sachgebiets Alte Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln.

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  • Dr. Sabine Arend, Heidelberg: Tod, Begräbnis und Nachlass der Herzogin Sabina von Württemberg (1492-1564)

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Sabina von Württemberg, Tochter des Herzogs Albrecht IV. von Bayern, war seit 1511 mit Herzog Ulrich von Württemberg (1487–1550) verheiratet. Wenige Jahre nach der Hochzeit floh sie vor den Gewalttätigkeiten ihres Mannes zu Verwandten nach München. Erst nach Ulrichs Tod kehrte sie nach Württemberg zurück und ließ sich auf dem Witwensitz im Schloss Nürtingen nieder, wo sie eine bescheidene Hofhaltung führte. Während wir viel über Sabinas wechselvolles Leben wissen, sind die Umstände ihres Todes, ihr Begräbnis sowie der Umgang mit ihrem Nachlass nahezu unbekannt. Zahlreiche bislang wenig beachtete Quellen
    erweitern nun den Blick auf die Herzogin: Sie dokumentieren, wie man nach ihrem Tod mit dem Leichnam verfuhr, wie ihr Begräbnis ablief, welche Fürsten und Fürstinnen kondolierten und wie das Grabmonument geplant und ausgeführt wurde. Schließlich geben die Quellen auch Einblicke in Umfang, Ausstattung, Größe und Qualität des Nürtinger Witwenhofs. - Dr. Sabine Arend ist Mitarbeiterin der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

    Der Vortrag kann im Livestream verfolgt werden: https://www.youtube.com/live/8S3Oe5bHnl8

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  • Dr. Amelie Bieg, Würzburg: „…vorschnelle Aufklärungs- und Verbesserungsabsichten?“ Die aufklärerische Kirchenpolitk König Friedrichs und ihre Folgen für die katholische Bevölkerung Neuwürttembergs

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Infolge von Säkularisation und Mediatisierung 1803/06 gewann das protestantische Württemberg eine große Zahl katholischer Untertanen hinzu, die rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Königreichs ausmachten. Die Regierung unter König Friedrich zwang die katholische Kirche in ein strenges Staatskirchentum und unterstützte maßgeblich die katholische Aufklärung. In der Folge wurden zahlreiche Verordnungen erlassen, die beispielsweise Feiertage abschaffen, Wallfahrten verbieten und die Marienverehrung einschränken sollten. Diese Politik rief bei der katholischen Bevölkerung vielfachen Widerstand hervor, der zu Konflikten mit der neuen Obrigkeit führte. Der Vortrag beleuchtet die aufklärerische Kirchenpolitik in Bezug auf die katholische Kirche und die daraus entstehenden Auseinandersetzungen. - Dr. Amelie Bieg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Würzburg.
    Hinweis: Der Vortrag kann auch im Livestream verfolgt werden;
    Zugangslink: https://www.youtube.com/watch?v=dvuZPrvsrsg

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  • Prof. Dr. Prof. h. c. mult. Eva-Maria Seng, Stuttgart: Die Pall Mall. Von der Sportbahn zur städtischen Vergnügungsmeile

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Auf zahlreichen alten europäischen Stadtplänen finden sich breite, von Baumreihen gesäumte Bahnen, die man für Alleen halten könnte. Diese scheinbaren Alleen verbinden aber nicht zwei Orte, sondern enden abrupt in der Landschaft: Es handelt sich dabei nämlich um Sportbahnen, sogenannte Pallamaggio-Anlagen. Das Ballspiel Pallamaglio, das man auf diesen Bahnen in verschiedenen Varianten ausübte, gehörte in Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zu den beliebtesten Spielen. Auch in Stuttgart war es aktuell: Zu Beginn des 17. Jahrhunderts legte der herzogliche Baumeister Heinrich Schickhardt eine der größten und repräsentativsten Paille-Maille-Anlagen an. Sie war Teil der ansehnlichen Sportanlagen, die sich die württembergischen Herzöge seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert im fürstlichen Lustgarten erbauen ließen. Die Sportbahnen wurden zu einem Ausgangspunkt politischer, gesellschaftlicher, kultureller und stadtplanerischer Prozesse. Der Vortrag untersucht die Sportstätten als ein Ort der Begegnung zwischen Adel und städtischen Oberschichten, als sozioökonomischer Faktor für neue Unterhaltungseinrichtungen und Gewerbe, als Raum für neue Praktiken der Körperkultur und Naherholung sowie schließlich als Motor der Öffnung der Städte in ihre Umgebung und Ausgangspunkt für die Stadterweiterung. - Prof. Dr. Prof. h.c. mult. Eva-Maria Seng ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Architektur und Städtebau, Landschaftsgestaltung, materielles und immaterielles Kulturerbe, Digital Humanities und Museums- und Ausstellungswesen. Seit 2024 ist sie Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

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