• Dr. Max Plassmann, Köln: Erinnerung, Mythos, Missbrauch: Vom Nachleben der Schlacht bei Leuthen (1757) in der preußisch-deutschen Geschichte

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Die Schlacht bei Leuthen vom 5. Dezember 1757 zählt zu den zentralen Mythen preußisch-deutscher Militärgeschichte. Friedrich II. von Preußen, der „Große“, schlug damals eine weit überlegene österreichische Armee – wobei Württemberger im Übrigen auf beiden Seiten kämpften. In der Erinnerung des 19. Jahrhunderts verselbständigte sich Friedrichs Plan zu einem vermeintlich unfehlbaren Erfolgsrezept. Die Vorstellung, über das Geheimnis des Sieges zu verfügen, begleitete daher die deutschen Armeen in beide Weltkriege. Der Vortrag beleuchtet diesen Missbrauch von Geschichte, der zum millionenfachen Sterben beitrug. - Dr. Max Plassmann ist Leiter des Sachgebiets Alte Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln.

    Kostenlos
  • Dr. Sabine Arend, Heidelberg: Tod, Begräbnis und Nachlass der Herzogin Sabina von Württemberg (1492-1564)

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Sabina von Württemberg, Tochter des Herzogs Albrecht IV. von Bayern, war seit 1511 mit Herzog Ulrich von Württemberg (1487–1550) verheiratet. Wenige Jahre nach der Hochzeit floh sie vor den Gewalttätigkeiten ihres Mannes zu Verwandten nach München. Erst nach Ulrichs Tod kehrte sie nach Württemberg zurück und ließ sich auf dem Witwensitz im Schloss Nürtingen nieder, wo sie eine bescheidene Hofhaltung führte. Während wir viel über Sabinas wechselvolles Leben wissen, sind die Umstände ihres Todes, ihr Begräbnis sowie der Umgang mit ihrem Nachlass nahezu unbekannt. Zahlreiche bislang wenig beachtete Quellen
    erweitern nun den Blick auf die Herzogin: Sie dokumentieren, wie man nach ihrem Tod mit dem Leichnam verfuhr, wie ihr Begräbnis ablief, welche Fürsten und Fürstinnen kondolierten und wie das Grabmonument geplant und ausgeführt wurde. Schließlich geben die Quellen auch Einblicke in Umfang, Ausstattung, Größe und Qualität des Nürtinger Witwenhofs. - Dr. Sabine Arend ist Mitarbeiterin der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

    Der Vortrag kann im Livestream verfolgt werden: https://www.youtube.com/live/8S3Oe5bHnl8

    Kostenlos
  • Dr. Amelie Bieg, Würzburg: „…vorschnelle Aufklärungs- und Verbesserungsabsichten?“ Die aufklärerische Kirchenpolitk König Friedrichs und ihre Folgen für die katholische Bevölkerung Neuwürttembergs

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Infolge von Säkularisation und Mediatisierung 1803/06 gewann das protestantische Württemberg eine große Zahl katholischer Untertanen hinzu, die rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Königreichs ausmachten. Die Regierung unter König Friedrich zwang die katholische Kirche in ein strenges Staatskirchentum und unterstützte maßgeblich die katholische Aufklärung. In der Folge wurden zahlreiche Verordnungen erlassen, die beispielsweise Feiertage abschaffen, Wallfahrten verbieten und die Marienverehrung einschränken sollten. Diese Politik rief bei der katholischen Bevölkerung vielfachen Widerstand hervor, der zu Konflikten mit der neuen Obrigkeit führte. Der Vortrag beleuchtet die aufklärerische Kirchenpolitik in Bezug auf die katholische Kirche und die daraus entstehenden Auseinandersetzungen. - Dr. Amelie Bieg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Würzburg.
    Hinweis: Der Vortrag kann auch im Livestream verfolgt werden;
    Zugangslink: https://www.youtube.com/watch?v=dvuZPrvsrsg

    Kostenlos
  • Prof. Dr. Prof. h. c. mult. Eva-Maria Seng, Stuttgart: Die Pall Mall. Von der Sportbahn zur städtischen Vergnügungsmeile

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Auf zahlreichen alten europäischen Stadtplänen finden sich breite, von Baumreihen gesäumte Bahnen, die man für Alleen halten könnte. Diese scheinbaren Alleen verbinden aber nicht zwei Orte, sondern enden abrupt in der Landschaft: Es handelt sich dabei nämlich um Sportbahnen, sogenannte Pallamaggio-Anlagen. Das Ballspiel Pallamaglio, das man auf diesen Bahnen in verschiedenen Varianten ausübte, gehörte in Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zu den beliebtesten Spielen. Auch in Stuttgart war es aktuell: Zu Beginn des 17. Jahrhunderts legte der herzogliche Baumeister Heinrich Schickhardt eine der größten und repräsentativsten Paille-Maille-Anlagen an. Sie war Teil der ansehnlichen Sportanlagen, die sich die württembergischen Herzöge seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert im fürstlichen Lustgarten erbauen ließen. Die Sportbahnen wurden zu einem Ausgangspunkt politischer, gesellschaftlicher, kultureller und stadtplanerischer Prozesse. Der Vortrag untersucht die Sportstätten als ein Ort der Begegnung zwischen Adel und städtischen Oberschichten, als sozioökonomischer Faktor für neue Unterhaltungseinrichtungen und Gewerbe, als Raum für neue Praktiken der Körperkultur und Naherholung sowie schließlich als Motor der Öffnung der Städte in ihre Umgebung und Ausgangspunkt für die Stadterweiterung. - Prof. Dr. Prof. h.c. mult. Eva-Maria Seng ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Architektur und Städtebau, Landschaftsgestaltung, materielles und immaterielles Kulturerbe, Digital Humanities und Museums- und Ausstellungswesen. Seit 2024 ist sie Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

    Kostenlos
  • Dr. Miriam Régerat-Kobitzsch, Stuttgart: Zwischen Legendenbildung und Quellenkritik – der französische König Henri IV im Spiegel der deutschen und französischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    Henri IV (1553–1610) gilt bis heute als der beliebteste französische Herrscher. An diesem Bild hatte der erste Bourbonenkönig bereits selbst mitgewirkt, da er den Wert einer sorgfältig inszenierten Selbstdarstellung erkannt und sich als Begründer einer neuen Königsdynastie und als Friedensbringer nach den lang anhaltenden Religions-und Bürgerkriegen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts präsentiert hatte. Seine Ermordung auf offener Straße im Mai 1610 nährte den Mythos um den nahbaren und streitbaren Herrscher. Bemerkenswert ist allerdings, dass dieses positive Bild des "bon roi Henri" die Französische Revolution überdauerte und er im 19. Jahrhundert zu einer identifikationsstiftenden Figur der französischen Nation wurde.

    Warum wurde im Kontext des Nationalismus und nationaler Meistererzählungen dieser Vertreter der Monarchie zur idealtypischen Verkörperung eines vermeintlich typisch französischen Wesens überhöht? Wie begegneten deutschsprachige Historiker des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des steigenden deutsch-französischen Antagonismus einer solch wirkmächtigen historischen Figur ihrer französischen Nachbarn? Der Vortrag spürt den Elementen und Entwicklungen dieser Legendenbildung nach und betrachtet sie im Lichte deutsch-französischer Beziehungen. - Dr. Miriam Régerat-Kobitzsch ist Kuratorin der Landesgeschichtlichen Sammlung und Stellvertretende Teamleitung (Sammlung) im Haus der Geschichte Baden-Württemberg

    Kostenlos
  • Dr. Annegret Gellweiler, Esslingen: „Zeit des Niederreissens“ – Nationalsozialistische Zugriffe auf Württembergs Ordensgemeinschaften

    Hauptstaatsarchiv Stuttgart Konrad-Adenauer-Straße 4, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland

    In der Zeit des Nationalsozialismus waren Orden und Kongregationen großen Belastungen, Unsicherheiten und letztlich existenziellen Bedrohungen ausgesetzt. Die Referentin richtet ihren Blick auf die Situation der damals in der Diözese Rottenburg vertretenen Gemeinschaften, die auf vielfältige Weise massive Einschränkungen durch nationalsozialistische Zugriffe erfuhren. Ihre Niederlassungen und Mitglieder standen vielfältigen Schwierigkeiten gegenüber. Neben Diffamierungen und Schikanen hatten sie etwa mit diversen finanziellen Eingriffen, bedeutenden Veränderungen auf ihren Arbeitsgebieten sowie der Fremdnutzung zahlreicher Klostergebäude zu kämpfen. Der Vortrag zeigt auch auf, welche Anstrengungen die Ordensgemeinschaften unternahmen, um in dieser bedrängten Situation zu bestehen und sich sowie ihre zahlreichen kleinen und großen Einrichtungen, auch mit Unterstützung der Bistumsleitung, über die nationalsozialistische „Zeit des Niederreißens“ hinaus zu retten. -
    Dr. Annegret Gellweiler studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Stuttgart. Mit ihrer Dissertation zu den „Orden und Kongregationen der Diözese Rottenburg im Nationalsozialismus“ wurde sie an der Universität Stuttgart promoviert.

    Kostenlos