<.> Sein Maßnahmenprogramm umfasste unter anderem die Errichtung von zehn riesigen Schieferölwerken im Vorland der Zollernalb. In ihnen sollte unter Anwendung einer eher behelfsmäßig anmutenden Technologie, dem sog. Meilerschwelverfahren, Öl aus den bitumenreichen Schichten des Schwarzen Jura gewonnen werden - ein Unterfangen, das versierten Kennern der Materie schon damals aussichtslos erscheinen musste. <.><.> Heute könnte man über diese abwegige Verzweiflungstat des untergehenden NS-Regimes, die mit dem Tarnnamen "Unternehmen Wüste" versehen war, wohl mit einem Kopfschütteln hinweggehen, wenn sie nicht für Tausende politisch und rassisch verfolgter Menschen aus ganz Europa körperliche Ausbeutung, Folter und Tod bedeutet hätte. Denn das immense Arbeitspensum, das mit der Errichtung der Industrieanlagen und ihrer Infrastruktur anfiel, konnte nur unter Rückgriff auf das im NS-Staat bereits etablierte Zwangsarbeiter- und KZ-System absolviert werden. So ließ die SS an der Bahnlinie zwischen Tübingen und Rottweil sieben Konzentrationslager errichten, die unter der zentralen Verwaltung des Hauptlagers im elsässischen Natzweiler standen. Für etwa zehntausend Häftlinge wurden die "Wüste-Lager" zu Orten eines namenlosen Leidens, mehr als ein Drittel von ihnen erlebte die Tage der Befreiung nicht mehr. <.><.> Angesichts der landschaftsprägenden Veränderungen, die mit der brachialen Industrialisierung des beschaulichen Albvorlandes im Jahr 1944 einhergingen, erscheinen die noch vorhandenen Spuren des "Unternehmens Wüste" auf den ersten Blick spärlich. Tatsächlich wurde an vielen Stellen nach dem Krieg gründlich aufgeräumt, rückgebaut und rekultiviert. An einigen Orten jedoch haben sich Relikte erhalten, die wie verstörende Fremdkörper inmitten der aufgeräumten Kulturlandschaft stehen. Gerade in ihrer Abnormität verweisen sie geradezu bildhaft auf die radikalen Brüche kultureller Konventionen, aus denen sie hervorgegangen sind. <.><.> An den historischen Orten des NS-Terrors bilden die noch vorhandenen Relikte heute, in Zeiten einer verstummenden Überlebendengeneration und eines allerorten wiedererstarkenden Nationalismus, ein mächtiges Zeugnis gegen Vergessen und Verleugnen. Darum wurde den Stätten des ehemaligen KZ-Komplexes Natzweiler, d.h. dem Hauptlager und seinen etwa 50 Außenlagern, zu denen auch die sieben "Wüste-Lager" zählen, im März 2018 von der Europäischen Kommission das Europäische Kulturerbesiegel verliehen - als Orte des Gedenkens und Erinnerns, der historischen Vermittlung und der politischen Bewusstseinsbildung. <.><.> Die Exkursion begibt sich an Schauplätze des "Unternehmens Wüste" im Zollernalbkreis auf Spurensuche. Ein Besuch des neu konzipierten und im Juni 2019 wiedereröffneten Museums der KZ-Gedenkstätte in Bisingen führt ins Thema ein. Danach folgt die Besichtigung einer archäologischen Ausgrabung, die das Landesamt für Denkmalpflege im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojektes auf dem Areal des ehemaligen KZ Bisingen durchführt. Nach der Mittagspause bildet der KZ-Friedhof in Schörzingen die dritte Station, bevor ein Rundgang durch die Industrieruinen des Wüste-Werks 10 im Eckerwald bei Schörzingen den Abschluss macht." />Dunkles Erbe - Auf den Spuren des "Unternehmens Wüste" im Zollernalbkreis - Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein e. V.

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Dunkles Erbe - Auf den Spuren des "Unternehmens Wüste" im Zollernalbkreis

Termin:Mittwoch, 28. August 2019, 8.00-18.30 Uhr
Leitung und Führung: Dr. Christian Bollacher, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg u. a.
Abfahrt: 8.00 Uhr, Stuttgart, Konrad-Adenauer-Straße, Parkbucht unterhalb des Hauses der Geschichte
Rückkehr: ca. 18.30 Uhr in Stuttgart
Kosten: 38,00 € pro Person (inkl. Eintritte und Führungen)
Teilnehmerzahl: 30
Hinweis: Die Exkursion führt in unebenes Gelände; festes Schuhwerk wird empfohlen.

Verbindliche  Anmeldung bis 14.08.2019


In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde das Vorland der Schwäbischen Alb zwischen Tübingen und Rottweil zu einem Ort, der durch das untergehende NS-Regime besonders tief mit in die Katastrophe gerissen wurde. Nachdem alliierte Flugverbände Anfang 1944 dazu übergegangen waren, die Infrastruktur der deutschen Mineralölindustrie mit systematischen Bombardements zu belegen, stand die Treibstoffversorgung der Wehrmacht vor dem Kollaps. Zu den letzten Versuchen der NS-Militärführung, die längst absehbare Kriegsniederlage in einem verzweifelten Kraftakt noch abzuwenden, gehörte der vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion als Geheimsache lancierte "Mineralölsicherungsplan".

Sein Maßnahmenprogramm umfasste unter anderem die Errichtung von zehn riesigen Schieferölwerken im Vorland der Zollernalb. In ihnen sollte unter Anwendung einer eher behelfsmäßig anmutenden Technologie, dem sog. Meilerschwelverfahren, Öl aus den bitumenreichen Schichten des Schwarzen Jura gewonnen werden - ein Unterfangen, das versierten Kennern der Materie schon damals aussichtslos erscheinen musste.

Heute könnte man über diese abwegige Verzweiflungstat des untergehenden NS-Regimes, die mit dem Tarnnamen "Unternehmen Wüste" versehen war, wohl mit einem Kopfschütteln hinweggehen, wenn sie nicht für Tausende politisch und rassisch verfolgter Menschen aus ganz Europa körperliche Ausbeutung, Folter und Tod bedeutet hätte. Denn das immense Arbeitspensum, das mit der Errichtung der Industrieanlagen und ihrer Infrastruktur anfiel, konnte nur unter Rückgriff auf das im NS-Staat bereits etablierte Zwangsarbeiter- und KZ-System absolviert werden. So ließ die SS an der Bahnlinie zwischen Tübingen und Rottweil sieben Konzentrationslager errichten, die unter der zentralen Verwaltung des Hauptlagers im elsässischen Natzweiler standen. Für etwa zehntausend Häftlinge wurden die "Wüste-Lager" zu Orten eines namenlosen Leidens, mehr als ein Drittel von ihnen erlebte die Tage der Befreiung nicht mehr.

Angesichts der landschaftsprägenden Veränderungen, die mit der brachialen Industrialisierung des beschaulichen Albvorlandes im Jahr 1944 einhergingen, erscheinen die noch vorhandenen Spuren des "Unternehmens Wüste" auf den ersten Blick spärlich. Tatsächlich wurde an vielen Stellen nach dem Krieg gründlich aufgeräumt, rückgebaut und rekultiviert. An einigen Orten jedoch haben sich Relikte erhalten, die wie verstörende Fremdkörper inmitten der aufgeräumten Kulturlandschaft stehen. Gerade in ihrer Abnormität verweisen sie geradezu bildhaft auf die radikalen Brüche kultureller Konventionen, aus denen sie hervorgegangen sind.

An den historischen Orten des NS-Terrors bilden die noch vorhandenen Relikte heute, in Zeiten einer verstummenden Überlebendengeneration und eines allerorten wiedererstarkenden Nationalismus, ein mächtiges Zeugnis gegen Vergessen und Verleugnen. Darum wurde den Stätten des ehemaligen KZ-Komplexes Natzweiler, d.h. dem Hauptlager und seinen etwa 50 Außenlagern, zu denen auch die sieben "Wüste-Lager" zählen, im März 2018 von der Europäischen Kommission das Europäische Kulturerbesiegel verliehen - als Orte des Gedenkens und Erinnerns, der historischen Vermittlung und der politischen Bewusstseinsbildung.

Die Exkursion begibt sich an Schauplätze des "Unternehmens Wüste" im Zollernalbkreis auf Spurensuche. Ein Besuch des neu konzipierten und im Juni 2019 wiedereröffneten Museums der KZ-Gedenkstätte in Bisingen führt ins Thema ein. Danach folgt die Besichtigung einer archäologischen Ausgrabung, die das Landesamt für Denkmalpflege im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojektes auf dem Areal des ehemaligen KZ Bisingen durchführt. Nach der Mittagspause bildet der KZ-Friedhof in Schörzingen die dritte Station, bevor ein Rundgang durch die Industrieruinen des Wüste-Werks 10 im Eckerwald bei Schörzingen den Abschluss macht.

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