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Das Bauland: Reichsritterschaft, Reformation und Grünkern

Termin:Samstag, 25. Juni 2016, 8.00-20.00 Uhr
Führung: Dr. Albrecht Ernst
Abfahrt: 8.00 Uhr, Stuttgart, Urbanstraße, bei der Württ. Landesbibliothek
Rückkehr: ca. 20.00 Uhr in Stuttgart
Kosten: 36,00 € pro Person (inkl. Eintritt und Führungen)
Hinweis: Herren bitte Kopfbedeckung mitnehmen

Obwohl nur etwa 100 Kilometer von Stuttgart entfernt, blieb das Bauland als Exkursionsziel unseres Vereins bisher ausgespart. Im 19. Jahrhundert, als das territoriale Gefüge des Alten Reiches zerbrochen war, geriet der Landstrich zwischen Odenwald, Tauber und Jagst ins Abseits. Abwertend, ja fast spöttisch sprachen die großherzoglichen Beamten im fernen Karlsruhe vom Hinterland oder von "Badisch Sibirien".

Das Bauland ist ein fruchtbares, heiteres Hügelland, dessen Ortschaften oft noch ihren dörflichen Charakter bewahrt haben. Überdies ist es eine vom ritterschaftlichen Adel geprägte Kulturlandschaft, die sich zwischen den Einflussbereichen von Kurpfalz, Kurmainz, Würzburg und Württemberg herausbildete. Mit den geistlichen Nachbarterritorien kam es im 16. Jahrhundert zu Konflikten, als sich die Mehrzahl der Reichsritter der Reformation anschloss und das lutherische Bekenntnis in ihren Dörfern einführte. Der einstigen territorialen Gemengelage ist es geschuldet, dass evangelische und katholische Orte sich unentwegt einander abwechseln. Typisch für letztere ist die Fülle religiöser Kleindenkmale, die der Gegend die Bezeichnung "Madonnenländchen" eintrug.

Die erste Station unserer Fahrt wird das einstige Amtsstädtchen Adelsheim sein, wo die gleichnamige Freiherrenfamilie drei Adelssitze hinterlassen hat. Das in einem Park gelegene Untere Schloss ist aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervorgegangen, die im 18. Jahrhundert barock umgestaltet wurde. Das Obere Schloss wurde 1504 als stattlicher Giebelbau mit polygonalem Eckerker errichtet. Außerhalb der früheren Stadtmauer liegt die spätgotische Jakobskirche, deren kostbare Ausstattung beeindruckt. Als Grablege der Herren von Adelsheim birgt sie 61 Grabmäler vom 14. bis zum 18. Jahrhundert.

Ein 32 m hoher Bergfried aus dem 13. Jahrhundert überragt die imposante Schlossanlage in Bödigheim mit Renaissance- Palas, barockem Herrenhaus, Pavillonbau und Wirtschaftsgebäuden. Seit über 700 Jahren residieren hier die Freiherren Rüdt von Collenberg, die das Gelände 1286 vom Kloster Amorbach zu Lehen erhalten hatten. - Eng verbunden mit der Adelsherrschaft war die Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde in Bödigheim. An sie erinnert der große Verbandsfriedhof mit über 1.500 Grabsteinen, zu dem Tote aus 30 umliegenden Orten gebracht wurden.

Das Bauland ist die Heimat des Grünkerns. Der in unreifem Zustand geerntete und dann geröstete Dinkel ist die klassische Spezialität der Region. Um der Feuergefahr entgegenzuwirken, wurden die Darrhäuschen am Rande der Dörfer angelegt. Ein einzigartiges, denkmalgeschütztes Ensemble von 13 Darren hat sich in der Grünkernmetropole Altheim erhalten. Im dortigen Museum wird Gelegenheit sein, Näheres über die Grünkernerzeugung und -vermarktung zu erfahren.

Ein wahres Kleinod, das es am Ende des Exkursionstages zu entdecken gilt, ist die evangelische Dorfkirche in Sindolsheim. Zieht schon der Fachwerkturm mit Glockenerker die Blicke auf sich, so überrascht die reiche Innenausstattung der erst jüngst renovierten Rüdt von Collenbergschen Patronatskirche. Neben qualitätvollen Wandmalereien des 14. Jahrhunderts und einem spätgotischen Kruzifix verdienen die steinernen Herrschaftsemporen, der Rokokoaltar samt der zeitgleich entstandenen Orgel besondere Beachtung.

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